Dienstag, 2. August 2016

Umzug vollzogen

Ihr lieben,

es ging doch schneller und einfacher, als ich dachte. Der Umzug ist vollzogen. Mein neues Blogger-Zuhause findet Ihr hier.


Dieser Blog bleibt hier noch eine ganze Weile so stehen.

Wir sehen uns,
Eure Anne

Blogwechsel

Moin, ihr Lieben,

leider muss ich wegen technischer Schwierigkeiten, die sich hier anscheinend nicht beheben lassen, meinen Bloganbieter wechseln.
Ich bin schon dabei, einen neuen Blog einzurichten, sodass ihr meine aktuelle Buchbesprechung von Stefan Zweig dann dort lesen könnt.

Ich würde mir wünschen und mich sehr freuen, wenn ich Euch dann, auch wieder bei Annes Lesetagebuch, begrüßen darf.

Bis dahin wünsche ich Euch eine lesevolle Zeit.

Liebe Grüße
Eure Anne

Sonntag, 31. Juli 2016

Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit


Lesen mit Mira

Da habe ich ja mein letztes Buch gestern pünktlich beenden können, um heute wieder mit Mira in unser monatliches Lesen zu starten.

Für den August habe ich uns ein Buch von Stefan Zweig ausgesucht. Es handelt sich dabei um "zwölf historische Miniaturen".

Klappentext
Stefan Zweig versammelt in diesen großartigen Miniaturen schicksalhafte Augenblicke der Geschichte: von der Schlacht bei Waterloo über die Entstehung von Goethes berühmter Marienbader Elegie bis hin zur tragischen Südpolexpedition von Sir Robert Falcon Scott. Menschliche Größe und Schwäche, Schicksal und Charakter sind entscheidende Faktoren unseres Lebens, so zeigt uns Stefan Zweig. Und oft sind es die kurzen, vom Zufall bestimmten und hochdramatischen Momente, die die Zukunft prägen - das sind die "Sternstunden der Menschheit".

Von Stefan Zweig kenne ich bisher nur "Ungeduld des Herzens", was mir sehr gefiel. Nun bin ich auf dieses Buch gespannt, obwohl ich mit Kurzgeschichten noch nicht so viel Erfahrung habe. Ich weiß also nicht, ob und wenn ja, wie mir eine Rezi gelingen wird.

Unabhängig davon wünsche ich uns, liebe Mira, aber erst mal viel Spaß beim Lesen.

Oliver Hilmes: Berlin 1936


Vor einiger Zeit habe ich über das Bloggerportal dieses Buch zum Rezensieren erhalten. Leider bin ich damit so gar nicht warm geworden und hatte die Befürchtung, es nicht rezensieren zu können.

Nach Rücksprache mit meiner Freundin Mirella vom Blog Literatur zum Nachdenken und Nachspüren ging das Buch zu ihr auf die Reise.

Auf der offiziellen Siedler-Seite steht nun zu der Rezension von Mirella mein Name und mein Blog-Link. Es lässt sich wohl technisch nicht anders einrichten.

Es soll hier aber erwähnt sein. Die Buchbesprechung zu diesem Buch findet ihr also auf Mirellas Blog.

Christine Dähn: Ute Freudenberg - Jugendliebe - Die Biografie


Erschienen im Verlag Neues Leben

Kennt ihr euch mit DDR-Sängern aus? Jugendliebe war eines der bekanntesten Lieder; gesungen von Ute Freudenberg und der Gruppe Elefant. Sobald dieses Lied beginnt, kann ich bis zum Ende mitsingen. Kürzlich habe ich mir eine alte Schallplatte von der Band gekauft.

Wollt ihr mal reinhören?


 Auf der Suche nach einem Verlag, für den ich rezensieren darf, habe ich einen bekannten ehemaligen DDR-Verlag gefunden: Neues Leben; er firmiert jetzt unter der Eulenspiegel-Verlagsgruppe.

Und dort habe ich mir das Buch Ute Freudenberg - Jugendliebe - Die Biografie von Christine Dähn ausgesucht.

Ich war sehr gespannt, was ich über die Sängerin erfahre, die immer noch singend unterwegs ist, aktuell schon mit dem 3. Album gemeinsam mit Christian Lais.

Und ich kann einfach nur "Wow" sagen. Was für eine Biografie, eine wie ich sie noch nie gelesen habe. Poesie pur. Ich frage mich nur, wie viel davon ist Christine Dähn und wie viel Ute Freudenberg? Christine Dähn, TV- und Hörfunkjournalistin, war Moderatorin bei DT 64, Fernsehmoderatorin beim MDR und VOX. Im Verlag Neues Leben erschienen von ihr zuletzt
zwei Biografien über Thomas Natschinski und über die Band KARAT.

Die Frage kann ich mir wohl erst beantworten, wenn ich noch ein Buch von Christine Dähn lese, was ich ganz sicher tun werde.

Es war ein Spaß ohnegleichen, dieses Buch zu lesen, auch wenn manche Erinnerungen nicht ganz so spaßig sind. Auch wurden nicht einfach nur Daten und Fakten aufgezählt. Mit etwas Fantasie kann man sich vorstellen, man sitzt Ute Freudenberg gegenüber und lässt sich ihre Lebensgeschichte erzählen. Wie man sie als kleine Dicke in der Kindergruppe an die Tische der Dünnlinge setzte, um diese zu motivieren, ein paar Happen zu essen. Das ist wohl ein Problem auf Lebenszeit: Alles Essbare, was sie auch nur sah oder roch, sprang auf ihre Hüften.
Dabei springt sie in ihren Erinnerungen auch schon mal vor und zurück.

Viel Persönliches aus ihrer Kindheit wird berichtet, über ihre Familie, über ihre Leidenschaft: das Singen. Dabei ist es ihr

egal, auf welche Bühne ich gehe, auf eine windschiefe, miserable, kleine oder eine großzügige, ein exklusives Chrom- und Glasparkett, oder ob die Umstände unmöglich sind, mein Leben fühlt sich mit dem ersten Schritt vor das Publikum wie Samt und Seide an, und es beginnt der schönste Teil des Tages.


 Wir erleben die Gründung und die Hochs und Tiefs der Gruppe Ute Freudenberg und Elefant. Und wie Ute Freudenberg sich, als sie in der DDR nicht mehr atmen konnte, in den Westen absetzte und dort einen Neuanfang starten musste.

Wunderschön zu lesen, wie sie über die Menschen an ihrer Seite erzählt. Obwohl man kein böses Wort von ihr liest, man spürt, wer ihr unsympathisch ist und wen sie ins Herz geschlossen hat.

Doch nicht nur Ute Freudenberg, auch Menschen um sie herum kommen per Interview in diesem Buch zu Wort. Unter anderem auch Bernd Henning, Gitarrist von "Elefant" und Komponist der "Jugendliebe". Er erzählt, wie das Lied entstand und wie er den ersten Auftritt mit diesem Lied verkorkste.

Das Buch ist gespickt mit sehr vielen Fotos aus Ute Freudenbergs Leben. Und zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es eine persönliche Notiz von ihr.

Für diesen Lesespaß bekommt die Biografie von mir 10 von 10 Punkten.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Senta Berger: Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann



Was für eine Frau. Senta Berger bewundere ich schon lange, als Schauspielerin und als Frau. Wobei: Als Frau kenne ich sie nur aus einigen Interviews aus diversen TV-Unterhaltungssendungen. Irgendwie kommt die Frau immer sympathisch rüber. Und sympathisch finde ich vor allem, dass sie ihr Buch alleine geschrieben hat. Der schöne Erzählstil, den ich aus den Interviews schon kenne, kommt auch in dem Buch sehr gut rüber. Sie erzählt über ihre Wiener Kindheit, staunt, was in Hollywood vor sich geht, hat Herzklopfen, wenn sie mit Größen wie Frank Sinatra, Kirk Douglas, Yul Brynner und anderen arbeitet. Und selbst, wenn sie mit jemandem nicht auf gutem Fuß steht, fällt kein gehässiges Wort.
Was fehlt, ist das Persönliche. Mann und Kinder hat sie ausgespart. Aber wer weiß, vielleicht hat Senta Berger ja noch was in der Schublade liegen.

Montag, 25. Juli 2016

Debbie Macomber: Winterglück



Winterglück ist der erste Teil der Rose-Harbor-Serie. Folgende Teile sind derzeit erhältlich:

Frühlingsnächte
Sommersterne
Herbstleuchten

Wolkenküsse - klingt zwar außer der Reihe, hat aber dieselbe Hauptfigur. Und dieses gibt es derzeit nur als kostenloses E-Book.


Jo Marie Rose war für eine sehr kurze Zeit glücklich verheiratet. Dann nahm ihr ein Schicksalsschlag ihren Mann. Als sie wieder normal atmen kann, macht sie einen Schnitt in ihr Leben und fängt ein neues an.
Dieses neue Leben startet sie mit einem Bed & Breakfast, das sie Rose Harbor Inn nennt. Rose nach ihrem Mann Paul Rose und Harbor steht für den Hafen, als den sie dieses Haus ansieht.

Josh Weaver ist ihr erster Gast. Seit Jahren war er nicht mehr in Cedar Cove. Seine Mutter und sein Stiefbruder Dylan sind hier begraben. Das ist aber auch alles, was ihn mit diesem Ort noch verbindet. Obwohl sein Stiefvater, an den er keine guten Erinnerungen hat, der Grund ist, dass er jetzt hier ist. Doch wie Josh es vorausgesehen hatte, wird dieser Besuch ein Reinfall. Mit dem Alten ist einfach nicht zu reden.
Doch mit Michelle wagt er einen zweiten Besuch, aber auch der war ein Desaster.

Abby Kincaid ist der zweite Gast und kommt noch am selben Tag an wie Josh Weaver. Auch sie war früher hier in Cedar Cove zu Hause und schon lange nicht mehr hier. Nun kommt sie wegen der Hochzeit ihres Bruders.
Weil sie aus Versehen einen Flug zu früh gebucht hat, sitzt sie nun hier fest und hat viel Zeit zum Grübeln. Darüber, warum sie von Cedar Cove wegging. Sie ist schuld an dem Tod ihrer besten Freundin. Darüber ist sie bis heute nicht hinweggekommen.
Abby traut sich das erste Mal in die Stat, um Besorgungen zu erledigen und begegnet einer früheren Freundin. Und anders als bei Josh, verlief dieses Treffen sehr positiv.

Schuld ist ein vorherrschendes Thema in diesem Buch, Schuld und Vergebung und Verzeihen. Und ein wenig mysteriös ist die Geschichte. Träumt Jo Marie doch von ihrem Mann und erhält von ihm Tipps und Hinweise für ihr weiteres Leben. Da es aber nicht so überfrachtet ist, finde ich diese Idee sehr schön.

Josh seine Geschichte scheint wie für mich geschrieben. Sie hat mir sehr zu Denken gegeben. Vor allem, dass es in den meisten Geschichten immer die Opfer, die, denen Unrecht angetan wurde, sind, die die Hand zur Versöhnung reichen.

Können sich Josh und sein Stiefvater versöhnen, finden sie noch zueinander? Und kann Abby sich selbst verzeihen und wieder in eine positive Zukunft schauen?

Lest selbst und genießt ein Buch, das Euch ein paar schöne Stunden beschert.

Samstag, 23. Juli 2016

Alan Bennett: Die souveräne Leserin



"Zwei Stunden pures Leseglück!" hat Elke Heidenreich kundgetan. Und ich kann ihr da aus vollem Herzen zustimmen. Allerdings habe ich mir für das Buch zwei Tage Zeit gelassen, sonst wäre das Vergnügen zu schnell zu Ende gewesen.

Mr. Hutchings staunt nicht schlecht, als eines Tages die Queen in seinem Bücherbus auftaucht. Das Buch, das sie sich ausborgt, nimmt sie bestimmt nur aus Verlegenheit mit, denkt er. Doch weit gefehlt. Auf seine Frage, wie weit sie es denn gelesen hat, antwortet sie bei ihrem zweiten Besuch:

Na, bis zum Ende. Wenn ich ein Buch anfange, dann lese ich es auch bis zum Schluss. So bin ich erzogen worden: Bücher, Butterbrote, Kartoffelbrei - was auf dem Teller ist, wird aufgegessen. Das war schon immer meine Philosophie.
Zu erleben, wie aus einem Verlegenheitsbuch die Liebe zu Büchern, zum Lesen in der Queen erwacht, ist einfach herrlich. Sie findet sogar eine Möglichkeit, dem Volk zuzuwinken und gleichzeitig, ohne dass es bemerkt wird, zu lesen.
Ihrer direkten Umgebung ist die lesende Queen allerdings nicht so geheuer.

Zum Schluss gibt es noch eine kleine Überraschung, denn die Queen bleibt nicht bei einer Leseratte.

Dienstag, 19. Juli 2016

Konsalik: Die Tochter des Teufels

Ich hätte niemals gedacht, dass mich ein Konsalik noch mal so gefangennimmt.
Die Witwe Helena Feodorowna Woronzowa begegnet Rasputin und verliebt sich in ihn. Nach einer gemeinsamen Nacht verlässt Rasputin sie und Helena bringt neun Monate später ein Mädchen zur Welt: Nadja, die Tochter des Teufels.
Als Nadja sechs war, lernte sie ihren Vater kennen, der sie mit nach Petersburg nahm. Helena ließ er einfach zurück.

Am 30. Juli 1904 wird der Zarewitsch geboren. Nach einer Verletzung, die nicht aufhört zu bluten, stellen die Ärzte fest, dass er ein Bluter ist. Doch helfen können sie ihm nicht. Nachdem alle Ärzte und Quacksalber konsultiert wurden, blieb Rasputin die letzte Chance. Und tatsächlich, er konnte dem Jungen helfen und ihn heilen.

Der mächtigste Mann im größten Land der Erde hieß ab heute nicht mehr Nikolaus II., sondern Rasputin.

Helena wartete über ein Jahr auf eine Nachricht aus Petersburg. Doch nichts, weder von Rasputin noch von ihrer Tochter erhielt sie ein Lebenszeichen. So wollte sie sich auf den Weg machen, doch eine Lungenentzündung streckte sie nieder. Bis diese auskuriert und Helena wieder bei Kräften war, rollte aus der Taiga der Wintersturm heran. 30 Grad Frost, die Straßen sind dicht. Doch Helena will mit dem Schlitten übers Eis.
Das ist ihr Todesurteil, denn die hungrigen Wölfe sind mutig geworden. Sie greifen den Schlitten an und niemand überlebt.

Konsalik hat diese Szene eindrucksvoll, doch glücklicherweise recht kurz beschrieben.

Rasputin ließ Nadja nun bei der Zarenfamilie.

1912 lernt Nadja den Offizier Nikolai Gurjew kennen. Er rettet sie vor zwei aufdringlichen Halunken und sie verlieben sich auf den ersten Blick ineinander.
Rasputin ist mit dieser Wahl seiner Tochter überhaupt nicht einverstanden. Ein Offizier, dessen Beruf es ist, in den Krieg zu ziehen und zu töten.
Zwei Jahre später findet zwischen Rasputin und Gurjew ein Treffen statt, wo der Vater erfährt, dass Gurjew bei der Zarin um Nadjas Hand anhalten will.

Was für eine Geschichte. Was für eine Kraft hatte diese Frau, nach jedem Schicksalsschlag wieder aufzustehen und weiterzumachen. 
Egal, was viele über Konsalik denken, mir hat diese Geschichte unheimlich gut gefallen. Sie war spannend und unterhaltsam erzählt. Zeitweise mochte ich das Buch nicht aus der Hand legen, so tief war ich versunken.

Samstag, 16. Juli 2016

Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River


Erschienen im btb Verlag in der 
Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Ott


Vance Weston ist ein Sohn aus wohlhabendem Hause; der Vater ist Immobilienspekulant. Nach einer Krankheit fährt er zur Erholung zu entfernten Verwandten. Dort bekommt er Zugang zu einem alten Haus am Hudson River mit einer Bibliothek, wie er sie noch nie gesehen hat. Und er bekommt die Möglichkeit, sich dort aufzuhalten, zu stöbern und zu lesen. Bis eines Tages einige wertvolle Bücher verschwunden sind und er in den Verdacht gerät, sie gestohlen zu haben. So verlässt er die Verwandtschaft und macht sich auf nach New York, wo er seinen Traum, Schriftsteller, Dichter zu werden, verwirklichen möchte.
Doch Vince muss feststellen, dass es nicht so einfach ist. Er hat nur wenig Geld in der Tasche, auf Hilfe des Vaters braucht er nicht hoffen. Arbeit bei einer Zeitung findet er nicht. Eine Chance bleibt ihm noch: Mr. Frenside, den er bei der Verwandtschaft kennenlernte und der bei dem Intellektuellenblatt "Die Stunde" arbeitet.
Doch nachdem dieser die zerknüllten handgeschriebenen Zettel, auf denen Vance eigene Gedichte und einen begonnenen Roman notiert hatte, gelesen hat, schüttelte dieser den Kopf. Gedichte sind ein Luxus, wie ein Auto, davon kann man sich nicht den Lebensunterhalt verdienen.
Kurzgeschichten, damit hätte er eine Chance. Aber so etwas hat Vance noch nicht geschrieben.
Als er in seiner Pension war, fand er doch noch etwas Geschriebenes: "Ein Tag" - er schrieb es kurz nach seiner Krankheit wie im Wahn, als er den Revolver seines Vaters nicht fand. Den Mut, noch einmal direkt bei Mr. Frenside vorzusprechen, hatte er nicht, so steckte der es in den Briefkasten und bekam drei Tage später schon Antwort: Seine Erzählung soll veröffentlicht werden; anbei liegt ein Check über 50 Dollar. Und von Frenside der Tipp: "Fahren Sie heim und schreiben Sie noch mehr so Zeug."

Wieder zu Hause, fand er Arbeit in der Redaktion des "Offenen Worts". Aber glücklich war er nicht. Der Großvater hatte einen Schlaganfall erlitten, und da sich niemand um die Großeltern kümmern wollte, nahm Vances Familie die beiden auf.
Die Immobilienbranche lief nicht mehr gut, sodass sein Vater immer mehr arbeiten musste, um noch was zu verdienen.
In dieser Situation erhielt Vance Post aus New York; von der Redaktion "Die Stunde". Die Zeitschrift war in andere Hände gegangen, Lewis Tarrant, der Ehemann von Miss Spear, hat sie günstig gekauft.
Und so macht er sich wieder auf den Weg nach New York.

Es ist ein tolles "Buch über Bücher". Die Geschichte spielt in den 20er Jahren. Durch Vance Weston erleben wir den Kontrast zwischen dem stillen Landleben und der unruhigen Großstadt. Er scheint mir hin- und hergerissen. Rein vom Leben her ist es auf dem Lande sehr schön. Aber das literarische Leben findet nun mal in der Großstadt statt. Vor allem findet er dort die Gesprächspartner, nach denen er sich sehnt.

Auch die Art zu schreiben von Edith Wharton ist sehr schön. Einmal begonnen zu lesen, mochte ich kaum noch aufhören. Der Schreibstil und der Lauf der Geschichte entwickeln schon nach den ersten Sätzen einen Sog, dem ich mich kaum entziehen mochte.

Ich vergebe 10 von 10 Punkten. 

Freitag, 15. Juli 2016

Kristin Hannah: Ein Garten im Winter



Der letzte Wunsch des sterbenden Vaters ist es, dass die beiden Schwestern sich um ihre Mutter kümmern. Eine Mutter, die diese Bezeichnung anscheinend nicht verdient.
Der Prolog beginnt mit einer Kindheitserinnerung. Die Schwestern Meredith und Nina Whitson und Jeff, der Freund von Meredith, wollen zu Weihnachten ein Theaterstück aufführen. Besonders der Mutter zu gefallen. Der Mutter, die ihre Kinder so gut wie gar nicht beachtet. Was die Familie zusammenhält, ist der Vater. Aber auch er kann nicht verhindern, dass der Auftritt der Kinder ein Fiasko wird. Die Mutter wendet sich brüsk ab und sprengt so die ganze Vorstellung.

 28 Jahre später: Meredith ist mit Jeff, dem Jungen aus ihrer Kindheit, verheiratet, sie haben sehr früh geheiratet. Sie kümmert sich verbittert ums Familiengeschäft. Nina ist Fotografin und fährt, fliegt in der Weltgeschichte herum. Immer an brenzligen Orten, in Krisen- und Kriegsgebieten. Ihr liebstes Projekt: Kämpfende Frauen, zum Beispiel in Afrika. Wie sie in der Wüste, ohne Wasser, die Familie ernähren, die Kinder am Leben erhalten wollen. Eines Tages bekommt Nina ein Telegramm: Ihr Vater hat einen Herzinfarkt, es sieht schlimm aus. Kurzentschlossen macht sie sich auf dem Heimweg, nimmt Abschied von ihrem Liebsten, Danny, ebenfalls ein erfolgreicher Fotograf.
 Nina schafft es noch rechtzeitig ins Krankenhaus. Aber dort will der Vater nicht bleiben. Er möchte zu Hause sterben.

 Der Vater ist gestorben. Nina bleibt gerade mal bis zur Beerdigung, dann lässt sie sich einen Auftrag von ihrer Chefin geben und ab gehts ins nächste Kriegsgebiet. Aber das hilft ihr auch nicht. Dadurch, dass sie ihre eigene Trauer nicht verarbeitet, werden ihre Bilder nicht mehr sensationell. Sie reichen nicht mehr für die Titelseite bzw. werden gar nicht mehr benutzt. Sie muss erst mit sich selbst wieder ins Reine kommen. Meredith dagegen stürzt sich noch mehr in die Arbeit. Auf ihr lastet nun nicht nur die Arbeit für die eigene Familie und den Familienbetrieb. Sie kümmert sich auch noch um ihre Mutter, die immer komischer wird. Sie erzählt Geschichten, steckt sich Essen in die Taschen und sitzt morgens, wenn Meredith in ihr Haus kommt, draußen im eiskalten Wintergarten. Oftmals ist sie wie weggetreten. Nur wenn Meredith den Arzt kommen lässt, ist sie 100prozentig klar. Doch Meredith schafft es, nachdem ihre Mutter im Haus einen Unfall hatte, diese in ein Heim zu geben, mit schlechtem Gewissen, da sie Nina nicht erreichen kann. Als diese endlich überraschend kommt, macht sie der Schwester die größten Vorwürfe. Aber ich finde, sie macht es sich leicht.
Über all dem kriselt Merediths Ehe immer mehr, bis ihr Mann eines Tages mit einem Koffer im Flur steht und das Haus verlässt.

 "Ein Garten im Winter" war ein tolles Buch. Nicht nur einfach ein Familiengeheimnis, auch ein wenig Kriegsgeschichte gibt es preis. Die Belagerung Leningrads.

Dienstag, 12. Juli 2016

Sara Paretsky: Die verschwundene Frau

Publishers Weekly meint:
Eine Reise durch die Hölle und zurück. Einnehmend, fesselnd und voller Tempo.
Das trifft dieses Buch voll auf den Kopf. Seit dem ersten Satz wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Und leider muss ich es wieder hergeben, da es aus der Bibliothek ausgeliehen ist.

Lange bevor ich wusste, dass V.I. Warshawski eine Romanfigur ist, habe ich sie im TV kennengelernt. In dem Film  V.I. Warshawski – Detektiv in Seidenstrümpfen. Kathleen Turner verkörperte damals die taffe Privatdetektivin. Ich fand den Film toll, gab es hier doch mal ein Pendant zu den coolen Herren der Schöpfung mit demselben Beruf.
Für Warshawski scheint dies aber nicht nur ein Beruf zu sein, sondern auch eine Berufung. Und das, wo sie nicht mehr die Jüngste ist. V.I. hat die Vierzig schon überschritten, befindet sich finanziell immer am Limit und sollte eigentlich an ihre Krankenversicherung und Altersvorsorge denken. Denn sie verfolgt nicht nur Fälle, für die sie bezahlt wird, nein, sie steckt ihre Nase auch dahin, wo nichts für sie rausspringt, es ihr aber ordentlich ans Leder gehen kann.

Wie in diesem Fall. V.I. Warshawski ist mit zwei Begleiterinnen auf dem Heimweg, als sie plötzlich auf die Bremse treten muss, weil jemand auf der Straße liegt. Eine junge Frau, die übel zugerichtet aussieht.
Nachdem die Polizei den Fall ganz normal aufgenommen hat, bekommt V.I. am nächsten Tag plötzlich Besuch von einem fiesen Cop, der ihr einen Mord anhängen will. Und V.I. kann sich noch so oft vornehmen, sich nicht weiter darum zu kümmern, in diesem Fall bleibt ihr nichts anderes übrig, da man sie von außen immer wieder mit hineinzieht. Und so beginnt sie zu recherchieren, was ihren Gegner immer gefährlicher werden lässt. So wird ihr Büro durchsucht, ihr Drogen untergejubelt, bis sie sogar wegen angeblicher Kindesentführung im Gefängnis landet. In dem Gefängnis, in dem auch die junge tote Frau war, die sie auf der Straße gefunden hat.
Und statt sich von ihrem Anwalt auf Kaution freikaufen zu lassen, bleibt sie nun drin und recherchiert weiter. Und nun wirklich unter Lebensgefahr.

Samstag, 9. Juli 2016

Charles Dickens: Eine Geschichte von zwei Städten


Lesen mit Mira

So, jetzt wird es bei mir etwas durcheinander. Eigentlich war ich ja bei einem Rezibuch bei, aber seit dem 1. Juli heißt es wieder Lesen mit Mira. Und Mira hat uns einen Dickens ausgesucht und ist schon kräftig am Lesen.
Damit ich mich mit Mira zu dem Buch auch ein bisschen austauschen kann, habe ich also heute mit Eine Geschichte von zwei Städten begonnen. Ich hoffe, dass man mir das nicht übel nimmt.

Klappentext
Schauplatz des Romans sind Paris und London. Erzählt wird die Lebensgeschichte von Dr. Manette, seiner Tochter Lucie und deren Ehemann Charles Darnay in den Wirren der Französischen Revolution.
Als Charles von den Revolutionären zum Tode verurteilt wird, rettet ihm der junge Anwalt Sydney Carton, der in Lucie v erliebt ist, das Leben: Anstelle von Lucies Gatten besteigt Sydney das Schafott und geht für ihn in den Tod.

Bis Seite 60 bin ich noch nicht so richtig warm mit dem Buch geworden. Mira hat mir aber schon Mut gemacht, dass es sich lohnt, noch eine Weile durchzuhalten.

Also bleibe ich noch bei. Noch dazu, wo das Buch gut in der Hand liegt, es nicht schlecht aussieht und mit schönen Illustrationen von Phiz gespickt ist.

Ob ich es allerdings schaffe, eine Rezi dazu zu schreiben, bleibt abzuwarten.


Edit
Ich schaffe nicht nur keine Rezi, ich habe das Buch nach, ich glaube, 110 Seiten abgebrochen.

Aber auch Mira war nicht so begeistert davon. Hier ihre Gedanken dazu.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Steven Gilbar: Bibliomania - Ein listenreiches Buch



Wenn man mal das Vorwort außer Acht lässt, beginnt es mit den "zehn unantastbaren Rechten des Leser", die Daniel Pennac schon in seinem Buch "Wie ein Roman - Von der Lust zu lesen" preisgibt und die ich hier mal aufführen möchte:


1. Das Recht, nicht zu lesen
2. Das Recht, Seiten zu überspringen
3. Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen
4. Das Recht, noch einmal zu lesen
5. Das Recht, irgendwas zu lesen
6. Das Recht auf Bovarysmus (d. h. den Roman als Leben zu sehen)
7. Das Recht, überall zu lesen
8. Das Recht, herumzuschmökern
9. Das Recht, laut zu lesen
10. Das Recht, zu schweigen

Dann geht es weiter mit Buchanfängen und hört logischerweise mit Buchschlüssen auf. Dazwischen ist das Buch gespickt mit Listen, Begriffen und Zitaten.

Hier ein paar Beispiele:
- Dreizehn unvollendete Werke
- Fünfzehn Schriftsteller, die Linkshänder waren 
- Zwölf Klassiker der Kriminalliteratur
- Elf Ermittlerduos in angelsächsischen Krimis
- Das älteste Buch in deutscher Sprache
- Die Geschichte des Buches
- Das erste gedruckte Buch

und unzählige mehr. 

Es ist ein wahres Vergnügen, sich durch dieses Buch zu stöbern. Man kann es von vorne nach hinten lesen, von hinten nach vorne oder es einfach mittendrin aufschlagen. 
Es inspiriert vielleicht dazu, sich eigene Listen anzulegen oder man entdeckt für sich einen neuen Schriftsteller oder man hat einfach nur Spaß an diesem Buch.

Benno Pludra: Lütt Matten und die weiße Muschel

Lütt Matten lebt mit seinen Eltern am Bodden. Dort leben die Leute hauptsächlich vom Fischfang. Jeden Morgen geht es hinaus zu den Reusen.
Und die Männer kommen immer mit einem Fang zurück. Nur Lütt Mattens Reuse bleibt leer. Tag für Tag. Auch die Freundin Mariken kann ihn nicht mehr trösten.
Bis eines Tages, Lütt Matten kann es kaum fassen, Mariken ihm eine Plötze zeigt, die in der Reuse war. Stolz wie Oskar trägt Lütt Matten sie durchs Dorf nach Hause. Und wartet ganz gespannt auf den Vater.
Doch der kann es gar nicht glauben, dass diese Plötze in Lütt Mattens Reuse gewesen sein soll.
So macht sich Lütt Matten des Nachts mit Vaters Boot auf den Bodden und sucht die weiße Muschel, von der es in einer Legende heißt:


Alle sieben Meere singen in der weißen Muschel. Eure Not hat jetzt ein Ende: Denn die Muschel singt euch den Frühling herbei, den Frühling, den Fisch und das Glück.

Ob Lütt Matten die weiße Muschel findet und ob seine Reuse noch Fisch fängt - lest selbst.

Eine schöne Kindergeschichte, die ich gar nicht mehr so richtig in Erinnerung hatte. Geschrieben schon 1963, aber man merkt ihr ihr Alter gar nicht an. Gespickt mit einigen plattdeutschen Sätzen, ein Platt, wie man es an der Ostsee spricht. Ich habe mich in die Heimat versetzt gefühlt.

Dienstag, 5. Juli 2016

Maria Marc: "Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen" - Mein Leben mit Franz Marc


Franz Marc gilt als einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus in Deutschland. Er war Mitbegründer der Redaktionsgemeinschaft "Der Blaue Reiter", die am 18. Dezember 1911 ihre erste Ausstellung in München eröffnete.
In diesem Buch kommt Maria Marc zu Wort. Sie war seine Wegbegleiterin und nach vielen Hindernissen seine Ehefrau.
Brigitte Roßbeck hat die handschriftich verfassten Memoiren von Maria Marc zusammengefasst.


Ich bin durch meine Freundin Mirella auf dieses Buch gestoßen. Sie hat hier eine schöne Rezi geschrieben. Mal schaun, ob sich meine Leseeindrücke mit ihren decken. Bei so manchen Büchern haben wir uns ja schon getroffen.

 Maria Marcs Erinnerungen wurden mit diesem Buch erstmals veröffentlicht. Sie hütete alles Biografische wie einen Schatz. Auf den Gefährten sollte kein Schatten fallen, und so beschönigte sie das, was sie wohl dosiert freigab, makellos.
Marias Vater war Bankdirektor, so wuchs sie in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Sie besuchte ein Lyzeum, nahm Klavierstunen und sang im Chor der Berliner Sing-Akademie. Auch ihr schöpferisches Talent wurde gefördert. Sie machte eine Ausbildung zur Zeichenlehrerin und nahm ein Studium an der Berliner Königlichen Kunstschule auf. Ihr heimlicher Traum war es, als Künstlerin existieren zu können.

In den Jahren meines Alleinseins nach dem Tode von Franz Marc wurde in mir der Wunsch lebendig, Erinnerungen an mein Leben mit ihm aufzuschreiben; ich musste so viel an dieses Leben denken, das ihn und uns beide so wunderliche Wege geführt hatte. Obwohl die Erlebnisse selber ungewöhnlich genug waren, beschäftigte mich viel mehr der Sinn, den sie für uns gehabt hatten. Und es wurde mir bald klar und im Laufe der Jahre immer klarer, welch ein tiefer Sinn sich hinter allen Begebenheiten verbarg.

Sie hatte eine im Verborgen gebliebene Herz-Schmerz-Geschichte hinter sich, als sie 1905 erst mal nur kurz den Kunstakademieflüchtling und Kollegen Franz Marc traf. Im Februar 1906 lernte sie ihn dann näher kennen. Recht früh erkannte sie, dass sie ihn liebt.

Doch bevor sie wirklich für ein Jahrzehnt ein Paar werden konnten, verging eine ganze Zeit.

Da es ein dünnes Buch ist, möchte ich an dieser Stelle nichts weiter dazu schreiben. Es lohnt sich aber, diese beiden Menschen auf ihrem Weg zueinander zu begleiten.

Samstag, 2. Juli 2016

Neu im Regal



Moin, ihr Lieben,

diese Bücher haben in den letzten Tagen den Weg zu mir gefunden. Zwei davon sind Rezensionsbücher, die anderen habe ich mir gekauft. Ja, das tue ich auch noch.

Dieses Buch habe ich durch meine Briefmarkenfreundin gefunden. Sie hat mich auf einen Zeitungsartikel aufmerksam gemacht, in dem es um einen bedeutenden Pianisten geht, der während der NS-Zeit von Kollegen denunziert und wegen kritischer Äußerungen zum nationalsozialistischen Regime hingerichtet wurde.

Klappentext
Elly Ney und Karlrobert Kreiten: Zwei bedeutende Bonner Pianisten. Soviel beide (weit über ihren Beruf hinaus) an Gemeinsamkeiten hatten, eines aber unterscheidet sie diametral: es stehen sich hier glühende Befürworterin und beklagenswertes Opfer eines Regimes gegenüber, (so dass man geradezu von spiegel-bildlichen Biographien sprechen könnte). Das Hakenkreuz war für die eine das Emblem ihrer Identifikation, für den anderen bedeutete es das Martyrium. Im Juni 2016 wäre Karlrobert Kreiten 100 Jahre alt geworden.
 

Von Nuala O'Faolain habe ich bisher nur "Nur nicht unsichtbar werden" gelesen. Das Buch fand ich so toll, dass ich mir damals geschworen habe, noch mehr Bücher von dieser Autorin zu lesen. Bis heute ist es leider bei dem Vorhaben geblieben, obwohl ich mir zwischenzeitlich schon das ein oder andere Buch von ihr gekauft habe. Ich hoffe, dass sie in nächster Zeit mal dran ist.

Klappentext
Sich aussetzen und bis an die Grenzen gehen.Stark und durchlässig sein und kompromisslos Schmerz und Sehnsucht leben. Diese Unbedingtheit macht Nuala O'Faolains Schreiben - und auch ihr Leben - aus. "Sein wie das Leben" ist ein Buch über das Unterwegssein und die Hoffnung auf Ankunft bei sich selbst: Schonungslos, ehrlich, sehr weiblich und zutiefst bewegend.




Klappentext
In den pulsierenden Metropolen der 20er Jahre, Wien, Berlin und Paris, liebt die Tänzerin Lena Vogel wechselnde Ehemänner und die Geschwindigkeit ihrer Bugattis - bis ihr kurzes, schnelles Leben explosionsartig endet.
Die deutsch-jüdische Schriftstellerin Ruth Landshoff-Yorck (1904-1966), der die mit Louis Aragon befreundete jüdische Tänzerin Lena Amsel als Vorbild diente, entwirft das Porträt einer bis zur Selbstzerstörung experimentierfreudigen Frau.
Der "Roman einer Tänzerin", hier als Erstausgabe aus dem Nachlaß herausgegeben, konnte nach 1933 nicht mehr veröffentlicht werden. Die Druckfahnen nahm die Autorin mit in ihr amerikanisches Exil.
Ruth Landshoff-Yorck gehörte zur Berliner Boheme der 20er Jahre, war befreundet mit Klaus und Erika Mann und Annemarie Schwarzenbach und ist eine jener Autorinnen, die am Ende der Weimarer Republik ihre ersten Erfolge feierten.
Unbedingt wiederzuentdecken!


Klappentext
Hier war eine neue Generation, die aufgewachsen war, um herauszufinden, dass alle Götter tot waren, alle Kriege ausgefochten, alle Überzeugungen erschüttert.
Amory Blaine ist begabt und privilegiert. Von der Mutter hat er die Überzeugung, zu Höherem geboren zu sein. Er studiert in Princeton, und nach etlichen Flirts begegnet er Rosalind, seiner ersten großen Liebe. Als sie ihn für einen anderen verlässt, zerschellen Amorys jugendliche Ideale. Was bleibt, ist der Alkohol - aber trotz aller Trauer und Enttäuschung auch die Erkenntnis, dass das Leben, so pathetisch und lächerlich es oft scheint, doch lebenswert ist: nicht jenseits, sondern diesseits vom Paradies.
 
 
 
 
 
Dass ich dieses Buch entdeckt habe, freut mich ungemein, hat mich doch diese Künstlerin mein ganzes Leben musikalisch begleitet. Sobald ich irgendwo das Wort "Jugendliebe" höre oder lese, habe ich sofort ihr Lied im Ohr.
 
Klappentext
 "Meine Konzertbesucher sollen nicht ständig an Mobbing im Büro, Sollerfüllung, Bankencrashs, soziale Unsicherheit, unmenschliche Bahn-Überfälle, Verrohung und Bedrohung unserer Gesellschaft denken. Ich möchte die andere Seite in uns wachhalten. Das, was Kunst mit ihren Instrumentarien so großartig kann: anderen geben, was sie an Liebe, Freundschaft und Solidarität brauchen.
Ein süßes Girl, ein federleichtes Etwas, das sorglos dahinschwebt, flatternd von Ast zu Ast, jedem Problem ausweicht und nur auf Daunenkissen ruht, möchte ich auf der Bühne nicht sein. Ich war unten und oben, kenne die Neben- und Hauptstraßen. Authentizität gehört zu mir. Ich lebe meine Lieder."


So, nun habe ich mir auch eines gekauft: ein Malbuch für Erwachsene. Obwohl dieses nicht nur zum Ausmalen ist. Hier verbindet man die Zahlen miteinander. Früher kannte ich das aus meinen Kinderzeitschriften. 
Man kann die einzelnen Blätter raustrennen, und wenn sie richtig toll gelungen sind, kann man sie einrahmen.

Klappentext
Beim Verbinden der Zahlen wird der Alltag vergessen, die hohe Konzentration ermöglicht einen Zustand der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit.
Die Motive in "Punkt-zu-Punkt" umfassen Tiere, Landschaften, architektonische Wunder, Kunstwerke, Szenen aus Sport, Unterhaltung und Freizeit und vieles mehr. Bis zu vierhundert Punkte werden auf jeder Seite verbunden und so entstehen fantastische Kunstwerke aus dem Nichts.
Spitzen Sie Ihren Bleistift und legen Sie los!

Samstag, 25. Juni 2016

Charlotte Link: Sechs Jahre - Der Abschied von meiner Schwester


Von Charlotte Link habe ich "Das Haus der Schwestern" und "Die Rosenzüchterin" gelesen. Das ist schon sehr lange her. Und da ich damals noch kein Lesetagebuch führte, wollte ich die Bücher irgendwann noch einmal lesen. Bis heute bin ich  nicht dazu gekommen, obwohl ich "Das Haus der Schwestern" zwischenzeitlich auch schon gehört habe.

Nun bin ich über ein sehr privates Buch der Autorin gestolpert: "Sechs Jahre - Der Abschied von meiner Schwester".
Schon im Vorwort lese ich, was mich in diesem Buch erwartet und dass es keine leichte Kost ist. Sechs Jahre lang kämpfen Charlotte Link und ihre Familie an der Seite ihrer Schwester Franziska gegen den Krebs, um am Ende doch zu verlieren. Franziska stirbt am 7. Februar 2012 mit sechsundvierzig Jahren nach sechsjährigem Kampf an dieser Krankheit. Sie nahm Charlotte vorher das Versprechen ab, darüber zu schreiben.

Zwischen den Schwestern bestand seit ihrer Kindheit eine unheimlich enge Verbindung. Charlotte verlor mit dem Tod ihrer Schwester den wichtigsten Menschen ihres Lebens. Dieses Buch zu schreiben, war wohl auch ein Stück Trauerbewältigung.

Doch nicht nur das. Sie war der Meinung, dass das, was sie in diesen sechs Jahren in Krankenhäusern erlebt haben, öffentlich gemacht werden sollte. Auf die Missstände sollte so lange hingewiesen werden, bis sich etwas Entscheidendes ändert.

Als man im Februar 2006 bei Franziska Metastasen findet und auf die Suche nach dem Tumor gehen will, ist sie noch ganz ruhig. Sie war von den beiden Schwestern immer die sachlich und rational Agierende. Noch dazu war ihr die Situation vertraut. Achtzehn Jahre zuvor hat sie das schon einmal erlebt.
An einem Vormittag hatte sie einen Termin bei einer Onkologin, zu dem sie noch ganz zuversichtlich ging. Innerhalb einer halben Stunde hat diese Onkologin dafür gesorgt, dass ein Psychologe Franziska wenig später eine tiefe Traumatisierung bescheinigt.
Diese Onkologin sagte Franziska auf den Kopf zu, dass es für sie absolut keine Hoffnung gibt. Mit einer Chemo-/Strahlentherapie und der Entfernung des Tumors wird sie höchstens noch bis zum Ende des Jahres zu leben haben. Sie solle doch über den Verlauf ihres Sterbens ein Fotoalbum anlegen, damit ihre Kinder etwas hätten, das sie sich dann immer wieder anschauen können.

Fehldiagnosen wird Franziska noch so einige bekommen. Zumeist negative, die sich dann doch nicht einstellen. Aber diese Erfahrungen macht es unmöglich an positive Diagnosen zu glauben.
Noch eine Erfahrung, die die Familie in diversen Krankenhäusern gemacht hat: Sobald der Patient mit zwei Dingen zu kämpfen hat, die es nötig machen würden, stationsübergreifend zu arbeiten, ist er aufgeschmissen. Dazu scheinen die meisten Krankenhäuser nicht in der Lage zu sein. In einer Lungenklinik zum Beispiel wird überhaupt nicht darauf reagiert, dass Franziska nichts essen kann. Man stellt ihr das Tablett hin und holt es abends wieder ab. Ohne darauf zu reagieren, dass sie gar nichts zu sich nimmt. Wenn die Familie nicht Essen mitgebracht hätte, wäre sie dort einfach verhungert.

Das Verhalten vieler Ärzte machte Charlotte Link sprachlos und mich als Leserin wütend. Sie fragte sich, warum ein Arzt einen helfenden Beruf ergreift,

wenn er gleichzeitig so menschenverachtend, rücksichtslos und fast feindselig mit Menschen umgeht, die sich in einer wehrlosen Situation befinden.

Und wie kann es sein, dass solche Ärzte für ihr Tun nicht bestraft werden. Dass sie sich für Fehldiagnosen in rauen Mengen nicht entschuldigen und schon gar nicht verantworten müssen.

Es hat sicherlich rechtliche Gründe, aber ich finde es äußerst schade, dass diese "Ärzte" hier nicht mit Namen genannt wurden.

Glücklicherweise haben sie aber auch andere Ärzte und Klinikpersonal kennengelernt. Sie haben erlebt, dass man sich auch in einem Krankenhaus geborgen fühlen kann, wenn Ärzte und Schwestern mit den todkranken Patienten respektvoll und freundlich umgehen.

Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Wie schon am Titel zu erkennen, gibt es kein Happy end. Trotzdem macht es ein bisschen Mut, die Hoffnung nicht zu schnell aufzugeben.
Zwei Jahre wurden Franziska anfangs noch gegeben. Sechs Jahre hat sie noch geschafft. Sechs Jahre, die sicher nicht leicht waren, die sich die Familie aber noch gehabt hat.


Hier könnt ihr ein Interview mit Charlotte Link zu diesem Buch nachlesen.

Und hier gibt es ein paar Kinderfotos von den Schwestern.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Nicci Gerrard: Das Fenster nach innen


In diesem Buch geht es um drei Freunde: Marnie, Ralph und Oliver. Freunde seit Kindertagen. Marnie arbeitet in einem Puppenmuseum, als sie einen Telefonanruf bekam. Oliver, den sie jahre-, jahrzehntelang nicht gesehen hat, ruft an und sagt, sie muss nach Schottland kommen. Ralph liegt im Sterben und braucht jetzt die beiden Freunde. Und Marnie macht sich auf den Weg.
Und an Ralphs Sterbebett erinnert sie sich und erzählt ihm ihrer aller Geschichte. Ich erfahre, dass Ralph eine unglückliche Kindheit hatte. Sein älterer Bruder, der Charmeur, ist früh gestorben, der Vater wurde zum Alkoholiker und schlug die Frau und Ralph. Und dann war da noch die behinderte Schwester. Seit kurzer Zeit vor des Bruders Tod war Marnie dessen Freundin. Und so kam es, dass Ralph sich immer öfter bei Marnie und deren Mutter in der Pension aufhielt.

Ohne Schmalz, ohne auf die Tränendrüsen zu drücken, lässt die Autorin ihre Figuren sich zurückerinnern an eine nicht nur glückliche Kinder- und Jugendzeit. Und an die Irrungen und Wirrungen der Liebe.

Nicci Gerrard hat eine wahnsinnig tolle Art, Menschen zu beschreiben oder auch die Natur. Ach, sie hat überhaupt einen tollen Schreibstil.

Montag, 20. Juni 2016

Jonathan Coe: Der Regen, bevor er fällt



Gills Tante Rosalind ist gestorben. 73 Jahre alt ist sie geworden. Gill fällt die Aufgabe zu, den Nachlass ihrer Tante zu regeln. Vier besprochene Kassetten befinden sich darunter, die an Imogen gerichtet sind. Ich weiß noch nicht, welche Rolle Imogen hier spielen wird. Nur, dass sie blind ist, erfahre ich. Doch sie ist nirgends aufzufinden.
Gill fährt zu ihren Töchtern nach London, und gemeinsam hören sie die erste Kassette.
Und Rosalind erzählt. Sie möchte Imogen anhand von 20 ausgewählten Fotos etwas über deren Herkunft berichten.

Ich habe jetzt gut die Hälfte durch, und kenne die Namen und sehe auch, in welche Richtung das Buch läuft.
Die Idee an sich, ein Leben anhand von Fotos zu erzählen, gefällt mir schon mal sehr gut.
Nach dem Kapitel, in dem Rosalind das elfte Foto beschrieb, tauchte auf einmal der Name Gill auf und ich musste erst mal stutzen. Wer, zum Teufel, ist Gill. Aha, ich bin wieder in der Gegenwart, wo Gill mit ihren Töchtern die Bänder abhört. Sie machen eine Pause, weil sie zu einem Konzert gehen, an dem eine der Töchter mitwirkt.
Rosalind hat in den ersten  zehn Kapiteln über Beatrix gesprochen. Ihre Freundin aus Kindertagen, sie sind Blutsschwestern. Beatrix heiratet früh, zu früh, weil sie schwanger ist. Und irgendwann, da lebt Rosalind mit ihrer Freundin Rebecca zusammen, taucht Beatrix bei ihnen auf und lässt ihnen das Kind da.
Spätestens jetzt weiß ich, um welche drei Generationen von Frauen es sich hier handelt.
 Beim weiteren Lesen wird es allerdings immer deprimierender. Auf den letzten Seiten dachte ich ja, es gibt noch ein klein wenig ein gutes Ende, und dann kommt noch einmal der Hammer.

Die Tante Rosalind, die praktisch die Geschichte erzählt, kann ich überhaupt nicht verstehen. Die wurde so oft verletzt von den Menschen, über die sie berichtet und hat den Kontakt nicht abgebrochen. Hat immer davon geträumt, dass noch alles gut wird. Ne, wenn ich so oft getreten worden wäre, hätte ich den Kontakt abgebrochen.
Aber so unterschiedlich sind halt die Menschen.